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PAX "Piece of Glass" zeitgenössische Kunst im Freulerpalast

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PAX "Piece of Glass" oder "Peace of Glass?" - Off Kunsthaus Glarus im Freulerpalast

Unter dem Titel "PAX- Piece of Glass" zeigt Bea Schlingelhoff subtile Interventionen zwischen Kunst, Militär und Waffen. Das Wortspiel zwischen "Peace" und Piece" lässt die Verbindung zum Thema "Frieden" erahnen. Das Plakat PAX ist eine Referenz zum Friedensmanifest von 1982. Die Regenbogenfarben erinnern daran.

Die Kooperation zwischen dem Landesmuseum und dem Kunsthaus Glarus ist einmalig. Gedankliche Verbindungen zwischen Geld, Macht und Kunst sind eindeutig und auch in der heutigen Zeit aktuell. Der Kunstmarkt boomt, unerklärliche Preise werden für Werke bezahlt. Die zeitgenössische Kunst hat sich zu einem Prestigeobjekt, Milliardengeschäft und einer Ersatzreligion entwickelt. Bea Schlingelhoff nimmt diesen Faden auf und gestaltet subtile Interventionen im Landesmuseum.

Kaspar Freuler - 1595 bis 1651 - hat das grosse Vermögen mit dem Handel von Söldnern verdient, was damals als "Handwerk" gegolten hat. Das stattliche Haus bietet heute eine bemerkenswerte Sammlung von Uniformen, Bildern und Kriegsgeräten. Die Hellebarde spielte bei den Sammlern damals eine zentrale Rolle. Auch heute werden Kunstsammlungen und Museen mit Geldern finanziert, die aus problematischen Geschäften stammen können.

Die Künstlerin hat alle Gläser in der Remise entfernen lassen und diese in einer Sonderausstellung im Palast zu Skulpturen umgewandelt. Sie legt Strukturen aus den sozialen und politischen Realitäten frei. Eine Museumsbeleuchtung ist installiert worden. Diese Intervention ist gewagt, weil alle Exponate ungeschützt betrachtet werden können. Die Polizei ist eingesetzt worden und hat die Sicherheitsvorkehrungen genehmigt. Die Gläser sind zum Teil beschriftet und erinnern an kriegerische Ereignisse aus der Vergangenheit; "Herstellung von Gewehrkugeln" oder "Herstellung der Patronen" sind zu lesen.

Die skulptural zusammengeführten Gläser sind in einfachen Formen aufgereiht oder gestapelt. Die Betrachter können ganz unterschiedliche Gedankenverbindungen hineinprojizieren. Die Ästhetik der künstlerischen Intervention hat mich - im Zusammenhang mit dem Krieg - auch an die Särge vieler gefallender Soldaten erinnert.

Aus der Sicht der Kunst stellen sich Fragen wie; welche Rolle kann eine Sammlung im Kontext der Friedensbewegungen spielen? Kann eine Militärsammlung dazu beitragen andere Sichtweisen als das Militärische zu produzieren? Welche Rolle spielen die Kunst oder die Kunstschaffenden im Kontext kriegerischer Auseinandersetzungen? Geht die Rolle der Kunstschaffenden drüber hinaus, den Protest- und Warnfinger für eine bessere Welt zu erheben?

Ich gehe davon aus, dass es in der heutigen Zeit weniger kriegerische Ereignisse weltweit gibt und dass sich diese in andere Regionen verschoben haben. Weiter haben sich auch die "Kriegsereignisse" verändert. Wir leben aktuell in handelskriegerischen, protektionistischen Verhältnissen, die auch ökonomische und soziale Opfer hinterlassen.

Die sehenswerte Ausstellung ist in einer intensiven Kooperation zwischen verschiedensten Trägern entstanden. Es ist ein intensiver Aushandlungsprozess verlaufen, der sich für die Kulturentwicklung im Kanton wahrscheinlich nachhaltig auswirken wird.

Eine einmalige Gelegenheit für alle Glarner sich mit der Vergangenheit und der daraus ableitbaren Gegenwart an einem musealen Ort auseinanderzusetzen. Eine Gelegenheit, die sich in dieser Form nicht so schnell wiederholen wird.

Eduard Hauser

www.freulerpalast.ch
www.kunsthausglarus.ch

Die weiteren Veranstaltungen sind zu empfehlen:
- 25.8.19, 15 Uhr öffentliche Führung von Militär- und Kunstobjekten mit Anne Gruber
- 11.9.19, 15 Uhr Macht und Schutz. Die militärhistorische Sammlung im Diskurs, öffentliche Seniorenführung, 60plus gratis mit Danièle Florence Perrin
- 22.9.19, 15 Uhr Rundgang durch die Ausstellung mit Judith Welter und Bea Schlingelhoff
- 7.11.19, 18 Uhr öffentliche Führung mit Judith Welter

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